Energiepark Bad Lauchstädt erhält RFNBO-Zertifizierung

GUTcert bestätigt, dass die Wasserstoffproduktion im Energiepark Bad Lauchstädt die europäischen RFNBO-Kriterien erfüllt

Der Energiepark Bad Lauchstädt ist RFNBO-zertifiziert. Anfang August hat die Zertifizierungsstelle GUTcert GmbH das Zertifikat erteilt und damit bestätigt, dass die Wasserstoffproduktion im Energiepark die europäischen Anforderungen an erneuerbaren Wasserstoff erfüllt. Für das Reallabor ist das Zertifikat ein wichtiger Schritt in der Wertschöpfungsstufe der Erzeugung: Nun darf der zukünftig produzierte Wasserstoff offiziell als nachhaltiges Produkt ausgewiesen und vermarktet werden.

Was das Zertifikat bestätigt
RFNBO steht für „Renewable Fuels of Non-Biological Origin“, also erneuerbare Kraftstoffe nicht-biologischen Ursprungs. Dahinter steht ein europäischer Rechtsrahmen, der genau festlegt, unter welchen Bedingungen Wasserstoff als erneuerbarer Kraftstoff nicht-biologischen Ursprungs anerkannt werden kann. Denn nicht jeder aus erneuerbarem Strom erzeugte Wasserstoff erfüllt diese Kriterien automatisch.

Geprüft wurde unter anderem, dass der eingesetzte Strom tatsächlich aus regenerativen Quellen stammt, die für die RFNBO-Produktion geltenden Anforderungen an die Treibhausgaseinsparung erfüllt werden und dass sich alle relevanten Schritte entlang der Wertschöpfungskette lückenlos dokumentieren und unabhängig überprüfen lassen.

Auch die Klimawirkung der Wasserstoffproduktion wird im Rahmen der Zertifizierung betrachtet: RFNBO müssen gegenüber dem für fossile Kraftstoffe festgelegten Referenzwert eine Treibhausgaseinsparung von mindestens 70 Prozent erreichen.
Das Zertifikat gilt für ein Jahr und wird anschließend in einem Rezertifizierungsaudit erneuert.

„Die Zertifizierung war Teamarbeit über Unternehmensgrenzen hinweg. Uniper und die VNG Handel & Vertrieb haben den gesamten Prozess gemeinsam vorbereitet, von der Datenerfassung über das Risikomanagement bis zur Auditkoordination. Mit der Erteilung ist die Arbeit nicht abgeschlossen. Ab Produktionsstart müssen Verbrauchs- und Produktionsdaten jederzeit sorgfältig dokumentiert und zugeordnet werden und stehen jährlich erneut auf dem Prüfstand“, erklärt Laura Härter, Auditkoordination, VNG Handel & Vertrieb GmbH.

Was sich damit ändert
Für den Energiepark ist die Zertifizierung mehr als ein formaler Nachweis: Sie schafft die Grundlage dafür, dass der erzeugte Wasserstoff seinen regulatorischen und wirtschaftlichen Wert am Markt entfalten kann. Nur zertifizierter Wasserstoff kann von Abnehmern dort auf gesetzliche Vorgaben angerechnet und als nachhaltiges Produkt am Markt gehandelt werden.

Das betrifft in erster Linie den Ankerkunden, die TotalEnergies-Raffinerie in Leuna, die den im Energiepark erzeugten Wasserstoff über eine rund 25 Kilometer lange umgestellte Gasleitung erhalten wird. Damit wird die RFNBO-Zertifizierung zu einem wichtigen Bindeglied zwischen der Erzeugung im Energiepark und der späteren industriellen Nutzung.

„Erneuerbarer Wasserstoff wirkt erst dort, wo er fossile Energieträger ersetzt. Das Zertifikat macht diesen Schritt möglich: Es ist die Voraussetzung dafür, dass unsere Abnehmer ihn tatsächlich einsetzen und anrechnen können. Bislang haben nur wenige Projekte in Deutschland diesen Nachweis erbracht. Was wir dabei gelernt haben, bringen wir in den weiteren Hochlauf ein“, sagt Xenia Papst, Senior Commercial Manager Hydrogen Germany bei Uniper und Geschäftsführerin der Elektrolyse Mitteldeutschland GmbH (EMG).

Das Konsortium des Energieparks sammelt damit praktische Erfahrungen in einem Bereich, in dem bislang nur wenige Projekte in Deutschland über eine RFNBO-Zertifizierung verfügen. Die Erkenntnisse aus der Umsetzung können dazu beitragen, Prozesse für die Zertifizierung und Vermarktung erneuerbaren Wasserstoffs künftig weiter zu etablieren und damit auch den weiteren Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft zu unterstützen.